Twitch DJ Kategorie

Die Twitch DJ Kategorie – Freude oder Schrecken?

Die Musikategorie auf Twitch wird dominiert von DJ’s sämtlicher Genre’s. Doch nun erhält die DJ-Szene ein neues „Programm“ von der Plattform vorgegeben, die Twitch DJ Kategorie (Quelle). Seit Jahren gibt es die große Frage: Wie legal sind DJ-Streams auf Twitch? Verboten oder doch Grauzone? Verhalten der Labels gegenüber Twitch und den Streamern war in den letzten Jahren, sagen wir mal, etwas schwierig. Die Labels verdienen bisher kein Geld an der Nutzung der Songs im direkten Sinne und doch wird Jahr für Jahr ein Millionenumsatz auf Twitch mit Musik generiert. Nach ewigem hin und her muss Twitch sich der Kraft der Musiklabels beugen und kündigte am 06.06.2024 ein DJ-Programm an. Dies werden wir in diesem Artikel etwas näher beleuchten.

Grund für die Twitch DJ Kategorie

Es gab im Internet schon immer Radiosender mit DJ’s an den Konsolen. Auf Twitch bis 2020 hin eher eine kleinere Gruppe. Dann kam Corona, die DJ’s konnten in den Clubs ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen. An Festivals war nicht zu denken. Daher kamen mehrere tausende auf die Plattform Twitch und eröffneten sich Möglichkeiten ihre Tätigkeit wieder auszuüben und sich jeweils ihre Communitys aufzubauen. Doch es war schon immer eine Grauzone Musik kommerziell auf Twitch abzuspielen. Die Musiklabels sträubten sich hier schon immens (bis auf einige Ausnahmen per Kampagnen wo es um einzelne Songs ging – Gruß hier an Sony Music, die schon die ein oder andere Kampagne da gefahren hatten). Der Druck der Labels wurde so groß, das DMCA Strikes und Takedowns an der Tagesordnung waren. Twitch versuchte hier trotzdem immer wieder ihre Creator zu schützen und gegen entsprechende Strikes und Takedowns anzugehen. Die Labels fordern monetäre Beteiligungen an den Einnahmen der DJ’s. Mit dem DJ-Programm wurde von Twitch nun der erste Schritt gemacht. Für die Labels anscheinend eine zufriedenstellende Lösung. Doch ist alles Gold was glänzt?

Die Twitch DJ Kategorie im “Detail”

Das DJ-Programm beinhaltet zum einen die Nutzung der von Twitch mit den Labels vereinbarten Lizenzen. Unter den Labels befinden sich: Universal Music Group, Warner Music Group und Sony Music – sowie einer Vielzahl unabhängiger Labels“. Und nur die Musik die zu den gelisteten Labels gehört darf ohne Risiko von den DJ’s genutzt werden. Promotion-Pools fallen somit aus dem aktuellen Raster und ermöglichen es DJ’s nicht mehr, Tracks vor Release innerhalb ihrer Community anzutesten und damit ggf. den dahinterstehenden Künstler bereits vorab Feedback geben zu können.

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Die Unterteilung zwischen Musik und DJ wird nun auch separiert. DJ’s haben eine neue exklusive Vereinbarung zu akzeptieren und erhalten auch eine eigene DJ-Kategorie. Nachteil hierbei, all monetarisierter Inhalt der nicht zur Twitch DJ Kategorie gehört, soll auf Empfehlung der Plattform auf einen Zweit-Account ausgelagert werden. Hier stellt sich für viele bereits die Frage: Muss ich den Zweit-Account dann auch wieder komplett von vorne aufbauen? Von Emote-Slots bis Partnerstatus etc. alles ein zweites Mal? Hier sind einige DJ’s zwiegespalten. Somit ein Punkt worüber Twitch sich Gedanken machen sollte ob die DJ’s eine eins zu eins Kopie ihres bestehenden Accounts erhalten können um die übrigen Content auf dem entsprechenden Zweit-Account mit gleichen Voraussetzungen wie bisher auf dem ersten / aktuellen Account bringen zu können.

Bezüglich der finanziellen Komponente kommt Twitch den Labels und auch den DJ’s entgegen.

Twitch wird einen Teil der Einnahmen der DJ’s einbehalten und an die Labels und somit die Künstler abführen. Die anderen 50% der Kosten trägt Twitch selbst. Um den DJ’s auf Twitch den Übergang zu erleichtern, werden diese für 12 Monate ab Beginn des Programmes subventioniert. Diese Subvention hält den Betrag des Streamers auf seine bisherigen Einnahmenstand, verringert sich aber im Laufe der Zeit. Klingt auf der einen Seite nicht schlecht, aber die Frage die sich aufwirft: Wie hoch sind denn die „Abzüge“ durch die Beiträge die an die Labels abgeführt werden? Momentan erhalten DJ’s die das Plus-Programm erfolgreich durch ihre Communitys abgeschlossen haben einen Share von 60/40 bzw. 70/30. Klingt danach das es sich hier dann wieder auf 50/50 oder 60/40 verschieben wird. Genauere Details dazu sind noch nicht veröffentlicht worden.

VOD’s Clips oder Highlights sind von dem Programm auch ausgeschlossen, da es hier auch um andere Rechte handelt als um Live-Streams. Heißt verpasste Streams oder witzige Momente nachholen, da man sie verpasst hat? Fehlanzeige! Hier möchte Twitch zwar versuchen zusätzlich etwas zu erarbeiten, aber die Leute werden sich weiterhin damit abfinden müssen: Entweder Live dabei oder in die Röhre gucken.

DJ’s die dem Programm nicht beitreten, aber trotzdem ihre Sets streamen, werden nicht von Twitch geschützt und sind somit angreifbar für Strikes, Takedowns und Sperren.

Das Programm soll im Juli / August 2024 live gehen.

Rat des Autors an die Streamer/innen & Communitys

Für die Communities kann man nur sagen: Haltet alle mal den Ball flach und macht die Streamer nicht wahnsinnig und vor allem lest euch die Artikel von Twitch komplett durch. Wer was nicht versteht soll nachfragen oder Google nutzen, aber keine unnötigen Wellen auslösen!

Für die Streamer kann man nur folgendes auflisten:

  • schaut euch den Pool / Katalog den Twitch bezüglich der Musik vorgibt genau an
  • ggf. schaut ihr ob ihr eigenständig an Lizenzen kommen könnt
  • ggf. sprecht ihr mit Twitch & den Promotion-Pools bezüglich noch nicht veröffentlichter Tracks
  • baut euch schon mal einen Zweit-Account auf, wenn ihr mehrgleisigen Content fahrt oder sprecht mit euren betreuenden Personen von Twitch zu dem Thema

Meinung des Autors

Mit dem DJ-Programm macht Twitch die Lücke bezüglich legal / illegal als DJ zu streamen auf der Plattform dicht und geht somit auf die Labels einen Schritt zu. Doch für die DJ’s wird es kein leichtes Unterfangen, denn wer mehrgleisigen Content fährt, wird sich umschauen, ob er sich zwei Accounts bezüglich möglicher Mehrarbeit erlauben kann oder ob hier sogar der Schritt weg vom DJ geht und die Einnahmen aus den anderen Contentbereichen ausreichen. Hinzu kommt auch noch die Frage: Was passiert mit den genutzten DJ-Softwares – sind die diese in dem Programm mit drin? Aktuellen Infos zufolge, sollen u.a. Recordbox bisher kein Interesse an einer Zusammenarbeit haben. Hat Twitch im DJ-Programm eine eigene Software im petto? Wie wird hier die Umstellung?

Was passiert mit den Shares? Von 70/30 auf 60/40 und von 60/40 auf 50/50 wieder runter um die Kosten zu decken? Fragen über Fragen.

Das DJ-Programm wird hier definitiv einen Wirbel in der Szene auslösen und am Ende wird man sehen wer es übersteht oder wer hier untergeht.

Bezeichnend sind aber auch die DJ’s die von Twitch innerhalb der Vorstellung zitiert werden. Alle sehen es positiv. Komisch das hier aber auch nur die Großverdiener der Plattform angesprochen wurden. Hier kann man vermuten, dass diese natürlich auch schon mehr über das Programm wissen und diese auch daran mitgearbeitet haben. Ob zum Wohle der Allgemeinheit der DJ’s oder für die eigenen Prioritäten.

Durch persönliche Erfahrung der letzten Jahre in der Musikkategorie auf der Plattform, gehe ich davon aus, dass dies nur der Anfang war. Die Musikszene im Allgemeinen wird sich bezüglich Karaoke etc. auch noch auf Neuerungen gefasst machen dürfen. Denn auch hier war immer Grauzone, das Programm Twitch-Sing mal ausgenommen (leider in den Boden gestampft worden).

In dem Sinne: Ohren auf und am Mischpult die richtigen Knöpfe gedreht!

Quellen:

https://blog.twitch.tv/de-de/2024/06/06/introducing-the-twitch-dj-program/

https://www.twitch.tv/dj-program/info

Bildquelle: Pexels

Persönliche Gespräche des Autors innerhalb der Community & Szene

Persönliche Erfahrungen des Autors

Herzlichen Dank für diesen tollen Twitch DJ Artikel an Redakteur Tony.

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